Gehirngerechte Arbeitssicherheit –
Safety weiter denken!

stormtrooper-2296199_1920.jpg

Sie sind eines der unangenehmsten Ereignisse im betrieblichen Leben: Arbeitsunfälle. Verunsicherung, Schuldzuweisung und persönliches Leid sind nicht selten ihre Folge. Auch die Beziehung zu den eigenen MitarbeiterInnen kann unter ihnen leiden. Doch wie umgehen mit etwas, dass sich kaum vollständig vermeiden lässt? In vielen Unternehmen sind die technischen Mittel zur Unfallverhütung größtenteils ausgeschöpft. In unserem Beratungsalltag erleben wir, dass KundInnen nach Mitteln suchen, um auch die letzten Prozent der Arbeitsunfälle anzugehen.

Individuelles Verhalten immer häufiger Unfallursache

Unsichere Blickführung beim Gehen, unsachgemäßer Umgang mit Werkzeug oder einfache Aufmerksamkeitsfehler rücken stärker in den Maßnahmenfokus. Jeder dritte Arbeitsunfall ist ein SRS-Unfall: Stolpern, Rutschen, Stürzen. Verhaltensfehler bilden den mit Abstand größten Teil der Ursachen tödlicher Arbeitsunfälle.

Dabei sind die Unfallzahlen in den letzten Jahren insgesamt rückläufig – Gründe hierfür können ein größeres Sicherheitsbewusstsein der Unternehmen, strengere Kontrollen durch die Arbeitsinspektorate und die abnehmende Zahl an Industriearbeitsplätzen sein.

Warum machen Menschen überhaupt Fehler?

Als Psychologen interessiert uns natürlich besonders die Frage, warum Menschen Fehler machen. Einen Erklärungsansatz bietet hier das Modell von Reason:

Menschliche Fehler gliedern sich in diesem Modell in drei Varianten:

1. Fehler
(Ein passender Plan ist vorhanden, aber die Ausführung erfolgt nicht richtig):

Aufmerksamkeitsfehler (Slips)
Beispiel: Metallarbeiter Bernd entgratet gefräste Karosserieteile gemäß Sicherheitsvorschrift. Dabei übersieht er eine Kante an der Unterseite. Sein Kollege Frank greift das Teil dort an und verletzt sich an der Hand.

Gedächtnisfehler
Beispiel: Reinigungsmitarbeiter Markus wischt eine Bodenfläche. Dabei vergisst er, wie eigentlich vorgeschrieben, ein Hinweisschild aufzustellen. In der Folge rutscht eine Mitarbeiterin aus und stürzt


2. Irrtümer

(Handlung nach Plan, aber Plan nicht angemessen)

Regelbasierte Fehler (Falsche Anwendung einer guten Regel oder Anwendung einer schlechten Regel)
Beispiel: Staplerfahrer Harald geht davon aus, dass im Betrieb die Vorschrift „Rechts vor Links“ gilt. Daher bremst er nicht, als an einer Wegkreuzung ein Laster von links kommt. Es kommt zur Kollision. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass Flurförderfahrzeuge im Betrieb generell nachrangig sind.

Wissenbasierte Fehler (Keine Wissen vorhanden, falsche Handlung)
Beispiel: Die Leiharbeiteskraft Ute weiß nicht, dass im Umgang mit bestimmten Produkten Handschuhe getragen werden müssen. Sie greift ein vor kurzem geschweißtes Metallteil an und verbrennt sich.

3. Verstöße

Misvention (Abweichen von angemessener sicherheitsrelevanter Prozedur)
Beispiel: Praktikant Tom möchte selbstständig die flackernde Leuchtstoffröhre in seinem Büro richten. Da es ihm zu aufwendig ist eine Leiter zu holen, nutzt er seinen Bürostuhl als Aufstiegshilfe und stürzt.

Fehlanwendung (irrtümliche Einhaltung einer nicht angemessenen Prozedur)
Beispiel: Schlosserlehrling Sabine hat sich von ihren Kollegen abgeschaut, bei kurzen Schweißarbeiten lediglich zur Seite zu schauen und keine Schweißermaske aufzusetzen. Hierdurch kommt es bei ihr zu Verblitzung der Augen.

Risikofaktoren für Arbeitsunfälle

Natürlich sind Arbeitsunfälle stark durch situative und personenabhängige Faktoren geprägt. Die Statistik zeigt dennoch auch einen systematischen Einfluss bestimmter Punkte:

  • Berufsgruppe (besonders gefährdet sind z.B. Personen im Forst- und Baugewerbe)
  • Lange Arbeitszeiten
  • Schicht- und Nachtdienste (wobei hier die Art der Berufe, die in Schichtsystem ausgeführt wird, einen Einfluss hat)
  • Ständig wechselnde Schichten
  • Psychische Fehlbeanspruchung

Hier bietet sich für Unternehmen ein erster Ansatzpunkt, um regulierend zu wirken. Vermeidung von unvorhergesehenen Überstunden und häufig wechselnden Schichten sowie eine Reduzierung der psychischen Belastungen der MitarbeiterInnen können dabei helfen, das Unfallrisiko zu senken.

Menschen fehlerresistenter machen

Dennoch bleibt die Frage, was Unternehmen tun können, um auch das Unfallrisiko aufgrund von individuellen Verhaltensfehlern zu senken. Unsere Erfahrung zeigt, dass das Vorgeben immer neuer Sicherheitsvorschriften nur bedingt Verbesserungen erzielt, wenn es hier bei reiner Informationsweitergabe bleibt. Wichtig ist, die persönliche Relevanz von Arbeitssicherheit erfahrbar zu machen und langfristige Verhaltensänderungen anzustoßen.

Ziel muss es sein sicheres Verhalten (z.B. eine aufmerksame Blickführung beim Gang durch den Arbeitsbereich) zur Gewohnheit machen. Hierbei sollten grundlegende Prinzipien der Lernforschung eingehalten werden:

Menschen lernen besonders gut in sozialen Kontexten (Gruppen/Teams)
Bauen sie Trainings also kooperativ auf und fördern Sie die gegenseitige Unterstützung in Arbeitssicherheitsthemen („Aufeinander schauen!“).

Inhalte müssen Emotionen ansprechen und als persönlich relevant wahrgenommen werden
Gehen Sie in Trainings und Unterweisungen auf das direkte Arbeitsumfeld Ihrer MitarbeiterInnen ein. Machen Sie deutlich, warum bestimmte Verhalten dabei helfen gesund zu bleiben.

Raum für Fragen und Auseinandersetzung mit den Inhalten lassen
Geben Sie Ihren MitarbeiterInnen die Möglichkeit ihre eigenen Erfahrungen schildern. Fragen Sie nach „Beinahe-Unfällen“ und möglichen Verbesserungsvorschlägen.

Mit Trainings und Workshops auf Basis dieser Grundsätze lässt sich ein wichtiger Schritt in Richtung sicheren Arbeitsverhaltens gehen. Auch die letzten Prozent der Arbeitsunfälle in Unternehmen sind nicht unantastbar! Sprechen Sie uns an, wenn Sie gerne mehr Informationen zu unseren gehirngerechten Safety-Konzepten hätten.